Junge Aikidolehrer braucht das Land

 Nadine und Jule als Aikidolehrer

In den Osterferien sind Ulli und ich oft unterwegs. Dann gibt es nur zwei Möglichkeiten:

  • das Aikido-Training entfällt
  • jemand anderes hält das Training

Dieses Jahr hatten wir eine sehr interessante und überraschende Problemlösung.

Nadine und Jule erklärten sich bereit, eine Trainingseinheit zu übernehmen.

Vorbereitung ist wichtig!

Das wissen die beiden jungen Damen natürlich und überlegten sich, welche Übungen und Techniken sie in dieser Einheit zeigen und durchführen wollen. Also:

  1. Schritt – eine Liste mit Übungen wurde erstellt
  2. Schritt – die Trainingseinheit wurde mit Blick auf die zur Verfügung stehende Zeit durchgespielt
v.l.n.r. Jule und Nadine
v.l.n.r. Jule und Nadine

Die Überraschung

Zum Training erschienen insgesamt 9 trainingswillige. Darunter mehrere Erwachsene und sogar ein DAN-Träger.

Aus meiner eigenen Anfangszeit als Aikidolehrer weiß ich noch sehr gut wie sich das anfühlt. Ich war damals 4. oder 3. Kyu, als unserer Lehrer ein Jahr Auszeit nahm, um sich fortzubilden. Da das Training weitergehen musste, übernahm ich die Trainingseinheiten, ohne vorherige Erfahrung als Lehrer. Die erste Unterrichtseinheit lief richtig gut. Ich war gut vorbereitet, alle Schüler die kamen, kannte ich gut und sie waren auch nicht weiter als ich. Bei der zweiten Unterrichtseinheit kam ein Neuer. Er war sehr früh da, so dass Zeit war sich mit ihm zu unterhalten. Er packte seinen Anzug aus, dann seinen Hakama und seinen schwarzen Gurt. Hakama und Gurt waren schon einigermaßen zerschlissen. Wie ich dann erfuhr, war er zweiter DAN und trainierte bis dahin 4 mal in der Woche. Für mich war das ein gehöriger Schock. Als Anfänger sollte ich nun ein Training halten, in dem ein 2. DAN anwesend war. Das ging ja irgendwie gar nicht. Am liebsten wäre ich wieder gegangen, aber das ging ja auch nicht. Der Neue war auch nicht bereit, das Training zu halten – war ja auch verständlich. Also musste ich in den sehr sauren Apfel beißen. Das Training lief trotz gehöriger Vorbehalte gut und im Lauf der Monate gewöhnte ich mich daran, dass der Neue ebenfalls regelmäßig ins Training kam.

Im nachhinein sehe ich, dass dies sehr gut für mich war. Ich musste mich auf jede Trainingseinheit entsprechend vorbereiten und lernt dabei viel mehr, als in den „normalen“ Trainingseinheiten als Schüler.

Ähnlich muss es wohl den beiden jungen Aikidokas gegangen sein. Zum Glück waren sie zu zweit, da kann man sich gegenseitig durchaus „stützen“.

Wir freuen uns sehr, dass wir im Verein so engagierte junge Mitglieder haben und hoffen, dass die beiden auch weiterhin so viel Spaß am Training haben wie bisher. Vielleicht ergibt es sich ja wieder, dass ein Training „lehrerlos“ ist.

Über passende Kommentare freue ich mich sehr und beantworte sinnvolle Fragen sehr gerne. 🙂